AUGEN- UND KREUZAUGENDOMINANZ

Augen- und Kreuzdominanz beim Schießen...?

 

Immer wieder bekommt man als Schießausbilder die Frage gestellt, ob man nun mit nur einem Auge zielen soll, oder ob man beide Augen offen halten soll. Diese Frage lässt sich allerdings nicht einfach mit einem Ja oder einem Nein beantworten, da man hier mehrere Einflussfaktoren beachten muss. Liest man sich dazu in den unterschiedlichsten Foren die "Fachmeinungen der Spezialisten" durch, erkennt man schnell, dass man sich einstimmig einig ist, dass es sinnvoll ist, beim Zielen nicht beide Augen zu schließen. Diese Erkenntnis lasse ich nun erstmal so im Raum stehen...

 

Im täglichen Leben haben wir in der Regel ja auch beide Augen offen. Somit haben wir ein Sichtfeld (je nach Alter) von 139 - 175 Grad. Schließen wir nun ein Auge, verkleinert sich das Sichtfeld um ca. 50%. Somit nehmen wir nicht nur weniger Details wahr, sondern sind evtl. auch einfache tägliche Handgriffe nicht mehr oder nur noch sehr schwer durchzuführen. Als Test kann man hier ja mal eine Salatgurke schneiden und dann abwechselnd ein Auge schließen. Aber passt bitte auf Eure Finger auf... Außerdem ermüdet hierdurch das Zielauge auch schneller als das Nichtzielauge.

 

Abschließend stelle ich zu diesem Thema fest:

Das (taktische) Schießen mit zwei offenen Augen hat definitiv keine Nachteile und kann, da ich ein größeres Sehfeld habe, somit nur von Vorteil sein. Allerdings sollte der Schießanfänger zuerst einmal andere Faktoren, wie z.B. Kimme/Korn/Ziel, Anschlag, Abzugskontrolle, etc., üben und beherrschen, bevor er krampfhaft versucht beide Augen offen zu halten und die Grundlagen dann vernachlässigt. Vom Leichten zum Schweren...

 

Ziel meiner Ausbildung ist es, den Schützen zu befähigen, mit sämtlichen Handfeuerwaffen und allen Zielmitteln, egal ob mit offener Visierung (z.B. Kimme und Korn), geschlossener Visierung (z.B. Diopter, Lochkimme)  oder mit optischer Visierung (z.B.Rotpunktvisier, Zielfernrohr), grundsätzlich mit zwei offenen Augen zu schießen und zu treffen. 

Wieso grundsätzlich? Grundsätzlich lässt in der deutschen Sprache immer eine oder mehrere Ausnahmen zu. Und das ist auch gut so. Es gibt Situationen, in denen es keinen Sinn macht beide Augen offen zu lassen, da man sich sonst in einem Nachteil befinden würde. Und zwar beim Schießen mit der schwachen Hand und bei Kreuzaugendominanz...

 

Schießen mit der schwachen Hand?

Ja, sicher!!! Je nach Lage (z.B. aus einer Deckung, verletzte starke Hand, etc.) kann es schon mal vorkommen, dass man mit der starken Hand nicht wirken kann oder zu viel "Angriffsfläche" zeigen würde. Somit ist ein Waffenwechsel auf die schwache Hand von Nöten. Bei der Kurzwaffe kann man sich da durch das Verdrehen des Kopfes bis das zielende Auge auf der Visierlinie liegt behelfen, aber mit der Langwaffe muss man dann in der Regel (ohne Schaftbearbeitung) das nichtzielende Auge nehmen und das zielende Auge zukneifen damit keine "Falschbilder" entstehen und Fehlschüsse verhindert werden...

 

Was ist Kreuzaugendominanz?

Die Definition besagt folgendes:

"Augendominanz (Fachbegriff: okulare Dominanz) bezeichnet den Umstand, dass das retinale Abbild des einen Auges eines Lebewesens gegenüber dem retinalen Abbild des anderen Auges bevorzugt wird."

Das bedeutet, dass die Informationen die von dem dominanten Auge wahrgenommen werden bevorzugt und schneller verarbeitet werden und die Informationen des nichtdominanten Auge evtl. sogar nicht verarbeitet werden. In der Regel fällt die Augendominanz mit der Händigkeit (rechtes dominantes Auge bei Rechtshändern, linkes dominantes Auge bei Linkshändern) zusammen. Die Augendominanz ist nicht umkehrbar und nicht trainierbar und auch nicht durch eine Korrektur der Sehstärke zu beheben! 

 

Um ein korrektes Sehfeld bzw. Sehen des zielenden Auges über die Visierung zu gewährleisten, ist es notwendig, dass das nichtzielende Auge deutlich weniger Sehkraft liefert als das zielende. Ist dies nicht der Fall, wäre das gelieferte Bild des nichtzielenden Auges genauso präsent, wie das des zielenden Auges, und der Schütze wüsste nicht mehr, welchem Bild er nun trauen kann bzw. welches Bild er anvisiert. Schlimmer wäre es natürlich, wenn das nicht zielende Auge stärker ist als das zielende Auge. Dann sind regelmäßige Fehlschüsse vorprogrammiert. Und genau diesen Zustand nennt man Kreuzaugendominanz. Jedoch ist es keinesfalls schlimm Kreuzaugendominant zu sein. Man muss es nur wissen, um so die auftretenden Schießfehler (ein kreuzdominanter Rechtshänder verfehlt typischer Weise sein Ziel auf der linke Seite - ähnlich dem Schießfehler links geklemmte Waffe) abstellen zu können.

 

Wie kann ich feststellen welche Augendominanz ich habe?

Zur Bestimmung der Augendominanz gibt es zahlreiche Übungen die ich im Selbstversuch durchführen kann. Zum Beispiel:

  • Daumenpeiltest
  • Handpeiltest
  • Ringpeiltest
  • Fingerzeigetest
  • Blinzeltest, etc.

Ich gehe hier auf die drei ersten Methoden ein.

 

1. Daumenpeiltest


Durch den Daumenpeiltest kann schnell und einfach die eigene Augendominanz festgestellt werden. Dazu werden folgende Maßnahmen durchgeführt:

Bild 1: Daumenpeiltest - Blick mit zwei geöffneten Augen bzw. offenem dominanten Auge
Bild 1: Daumenpeiltest - Blick mit zwei geöffneten Augen bzw. offenem dominanten Auge

 

  • Nehmt einen aufrechten Stand mit Blick zu einem mindestens fünf Meter entfernten, statischen Objekt (Zielscheibe, Steckdose, Lichtschalter, etc.) auf Augenhöhe ein.
  • Achtet auf eine frontale Ausrichtung zum Objekt, d.h. nicht mit einer Schulter näher zum Objekt stehen als mit der anderen. Idealerweise nutzt Ihr hier Euren ganz normalen "Schießstand".
  • Streckt einen Arm (am besten den der Händigkeit bzw. Schusshand) aus und verdeckt mit Eurem Daumen das Objekt. Hierbei müssen beide Augen geöffnet sein.
  • Beim Ausstrecken des Arms unbedingt darauf achten, dass Ihr nicht die entsprechende Schulter leicht zum Objekt eindreht.
  • Schließt nun abwechselnd das linke und das rechte Auge.
  • Der Daumen wird in einem Fall nicht mehr auf dem Objekt liegen, sondern links oder rechts neben dem Objekt.

 

Bild 2: Daumenpeiltest - Blick mit offenem nicht dominanten Auge
Bild 2: Daumenpeiltest - Blick mit offenem nicht dominanten Auge

Auswertung:

Beim Schließen des nicht dominanten Auges verändert sich das Bild nicht, da das retinale Abbild des dominanten Auges von unserem Gehirn ohnehin stärker gewertet wird.

 

Beim Schließen des dominanten Auges liegt Euer Daumen nicht mehr direkt über dem Objekt, da nun keine Kombination der Abbilder mehr vorhanden ist, bei der retinale Abbild des dominanten Auges überwiegt.

 

Ändert sich das Bild beim Schließen der Augen nicht, gehört Ihr zu den wenigen Personen, bei denen beide Augen dominant sind. 

  

Dieser Test zeigt dem Schützen schnell und einfach sein dominantes Auge und ist eine der meist genutzten Methoden zur Bestimmung der Augendominanz.

2. Handpeiltest


Eine weitere Methode, die eigene Augendominanz schnell und einfach festzustellen, ist der Handpeiltest. Dazu werden folgende Maßnahmen durchgeführt:

Bild 3: Handpeiltest - Anvisieren mit beiden Augen
Bild 3: Handpeiltest - Anvisieren mit beiden Augen
  • Nehmt einen aufrechten Stand mit Blick zu einem mindestens fünf Meter entfernten, statischen Objekt (Zielscheibe, Steckdose, Lichtschalter, etc.) auf Augenhöhe ein.
  • Achtet auf eine frontale Ausrichtung zum Objekt, d.h. nicht mit einer Schulter näher zum Objekt stehen als mit der anderen. Idealerweise nutzt Ihr hier Euren ganz normalen "Schießstand".
  • Streckt beide Arme aus und bildet mit Euren Daumen und Handflächen ein kleines Sichtfenster. Daumen und Finger liegen dabei übereinander.
  • Beim Ausstrecken der Arme unbedingt darauf achten, dass Ihr nicht die Schultern verdreht.
  • Erfasst das Objekt mit beiden Augen durch das Sichtfenster.
  • Führt jetzt das Sichtfenster langsam zum Gesicht und visiert dabei weiter das Objekt (mit beiden Augen) an.
  • Das Auge, vor welches Ihr das Sichtfenster führt, ist Euer dominantes Auge

 

Kontrolle des Ergebnis:

  • Visiert das Objekt erneut mit beiden Augen durch das Sichtfenster an.
  • Schließt nun abwechselnd das linke und das rechte Auge.
  • Das Fenster wird in einem Fall nicht mehr auf dem Objekt liegen, sondern links oder rechts neben dem Objekt.
Bild 4: Handpeiltest - Kontrolle des Ergebnis mit offenem nicht dominanten Auge
Bild 4: Handpeiltest - Kontrolle des Ergebnis mit offenem nicht dominanten Auge

Auswertung:

Führt Ihr das Sichtfenster vor Euer rechtes Auge ist das rechte Auge Euer dominantes Auge.

 

Führt Ihr das Sichtfenster vor Euer linkes Auge ist das linke Auge Euer dominantes Auge.

 

Führt Ihr das Sichtfenster zwischen Eure Augen, gehört Ihr zu den wenigen Personen, bei denen beide Augen dominant sind.

 

Auswertung Kontrolle:

Beim Schließen des nicht dominanten Auges verändert sich das Bild nicht, da das retinale Abbild des dominanten Auges von unserem Gehirn ohnehin stärker gewertet wird.

 

Beim Schließen des dominanten Auges liegt das Sichtfenster nicht mehr direkt über dem Objekt, da nun keine Kombination der Abbilder mehr vorhanden ist, bei der retinale Abbild des dominanten Auges überwiegt.

 

Ändert sich das Sichtfenster beim Schließen der Augen nicht, gehört Ihr zu den wenigen Personen, bei denen beide Augen dominant sind. 

  

 

Auch dieser Test zeigt dem Schützen schnell und einfach sein dominantes Auge und ist eine der meist genutzten Methoden zur Bestimmung der Augendominanz.

3. Ringpeiltest


Bei dem oben durchgeführten Handpeiltest fällt es einigen Schützen schwer, ihren Blick auf einen Gegenstand jenseits ihrer Hände zu konzentrieren bzw. fokussieren, ohne ihre Hände dabei ebenfalls zu fokussieren. Sollte dies bei Euch auch der Fall sein, könnt Ihr folgendes Versuchen:  

Bild 5: Ringpeiltest - Anvisieren mit beiden Augen
Bild 5: Ringpeiltest - Anvisieren mit beiden Augen
  • Schneidet einen kleinen Kreis/Raute (ca. 2-3 cm) in die Mitte eines Blatt Papier (Din A5/Din A4)
  • Nehmt einen aufrechten Stand mit Blick zu einem mindestens fünf Meter entfernten, statischen Objekt (Zielscheibe, Steckdose, Lichtschalter, etc.) auf Augenhöhe ein.
  • Achtet auf eine frontale Ausrichtung zum Objekt, d.h. nicht mit einer Schulter näher zum Objekt stehen als mit der anderen. Idealerweise nutzt Ihr hier Euren ganz normalen "Schießstand".
  • Streckt beide Arme aus und haltet das Blatt Papier an beiden Seiten fest.
  • Beim Ausstrecken der Arme unbedingt darauf achten, dass Ihr nicht die Schultern verdreht.
  • Erfasst das Objekt mit beiden Augen durch das Loch im Papier.
  • Führt jetzt das Papier langsam zum Gesicht und visiert dabei weiter das Objekt (mit beiden Augen) an.
  • Das Auge, vor welches Ihr das Loch führt, ist Euer dominantes Auge

 

Die Kontrolle und Auswertung des Ringpeiltest ist analog zu der Kontrolle und Auswertung des Handpeiltest.

Was kann man gegen eine mögliche Kreuzaugendominanz tun?

Wie bereits früher im Text erwähnt, ist eine Kreuzaugendominanz nicht umkehrbar, nicht trainierbar und auch nicht durch eine Korrektur der Sehstärke zu beheben! Durch die Verwendung von kleinen Hilfsmitteln kann das nicht zielende Auge soweit geschwächt werden, dass das zielende an deutlicher Dominanz gewinnt und ein kontrolliertes, sicheres Schießen mit beiden geöffneten Augen ermöglicht. Hier gibt es viele nützliche und wie laienhafte Tipps und Tricks aus Reihen der Sportschützenwelt.

  • Kleine transparente Klebepunkte auf die Schießbrille in Höhe der Sichtachse des dominanten Auges kleben
  • Kleiner Fettfleck (z.B. Lippenschutzstift) auf die Schießbrille in Höher der Sichtachse des deminanten Auges kleben
  • Schusspflaster auf die Schießbrille in Höhe der Sichtachse des deminanten Auges kleben
  • Stark gekröpfte Schäfte an Langwaffen
  • Eine Augenklappe über das dominante Auge legen...

Aus dieser Liste der beliebten Tricks der Sportschützen kann ich eigentlich nur den mit den transparenten Klebepunkten auf der Schießbrille empfehlen. Auf jeden Fall rate ich von der guten alten Augenklappe ab. Ziel ist es nach wie vor mit beiden Augen offen zu schießen und somit dem zielenden Auge das mehr an Sehkraft zu geben, was es benötigt, um ein sicheres und kontrollierbares Sehfeld zu erhalten. Dies schaffe ich allerdings nicht mit einer Augenklappe. Unter Umständen verliere ich dadurch auch ein klein wenig den Gleichgewichtssinn, die Entfernungsbeurteilung und das nicht abgedeckte Auge erleidet eine beschleunigte Ermüdung und Überforderung.

 

Als Wiley X Händler (aktuell sind noch keine Wiley X Produkte in den Shop eingepflegt. Bei Fragen zu Wiley X Produkten schickt uns einfach eine Mail.) empfehle ich natürlich ein Wiley X Produkt zur Korrektur der Kreuzaugendominanz. Hierbei kann fast jede ballistische Schutzbrille aus dem Wiley X Sortiment genutzt werden. Der Trick besteht darin, das dominante Auge mit einem Glas in Smoke Grey (15% Lichtdurchlässigkeit) und das nicht dominante Auge mit einem kontrastfördernden Glas in Light Rust (53% Lichtdurchlässigkeit) auszustatten. In den meisten Fällen springt dabei die Dominanz auf das nicht dominante Auge. Diese Variante bietet Euch folgendes:

  • "Heilung" der Kreuzaugendominanz
  • 100% ballistischer Augenschutz (MilSpec, ANSI, EN166)
  • 100% Entfernungsbeurteilung
  • Volle Ausnutzung des Sehfeldes
  • Ballistische Gläser in Sehstärke oder Korrekturclip


Ich wünsche Euch nun viel Spaß beim Feststellen Eurer Augendominanz...

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Kommentare: 3
  • #1

    Alesha Shah (Freitag, 03 Februar 2017 10:32)


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    Loriann Montague (Sonntag, 05 Februar 2017 10:12)


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  • #3

    Isis Rusin (Montag, 06 Februar 2017 17:39)


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